1-Satz-Geschichten

HASSLIEBE

Wenn man sich auf der Karte eine schöne Rundstrecke ausgesucht hat, diese mit Textmarker markiert, ein kleines Roadbook dazu aufgeschrieben und die Zwischenziele ins Navi eingegeben hat, dann auf die erste Straßensperrung trifft, auf die zweite, auf die dritte, dadurch die Zwischenziele hinfällig sind, man intensiv auf die Straßenschilder mit unbekannten Ortsnamen schaut, schließlich versucht, mit Hilfe des Sonnenstandes die grobe Fahrtrichtung zu ermitteln, nach der vierten Umleitung verzweifelt einen Blick auf die Karte tätigt, bevor nach 150 Metern die fünfte Sperrung angezeigt wird, dann trotzdem noch schöne Strecken und Fotomotive findet, zwischenzeitlich ein Spaghettieis genießt und nach ein paar Tagen sogar noch ein unscharfes Erinnerungsfoto in schwarz-weiß per Post bekommt … , dann weiß man, man war im Bergischen!

 

INTERRUPTUS

Wenn man sich aufmacht ins Grüne, da, wo der Wind so kalt weht, einen Prominenten trifft (Friedrich Wilhelm Raiffeisen), aufpassen muss, dass man in keine Grube fällt (Grube Bindeweide, Grube Georg, Grube Louise..), vor lauter ..rod und ..roth nur noch rot sieht (Wahlrod, Berod, Elkenroth, Rückeroth..), dann trotzdem noch schöne Straßen und Ausblicke findet und sogar noch einen kostenlosen Endurokurs für Tourenmaschinen bekommt, da etliche Straßen wegen der Löcher halbseitig gesperrt oder Geschwindigkeit reduziert sind, also der Fahrfluss unterbrochen wird (repariert wird wohl nur im Bergischen, NRW), dann weiß man, man ist im Westerwald, RLP.

 

HÖHENPUNKTE

Wenn man entspannt über den Rhein geschippert und durch das romantische Ahrtal auf lichte Höhen mit toller Weitsicht gelangt ist, Sternchen gesehen hat ( Radioteleskop Effelsberg), seinen Senf zu zig Sorten Senf gegeben und Heinos berühmte urdeutsche Haselnusstorte probiert hat (Bad Münstereifel), in der grünen Hölle war und wider Erwarten heil aus deren Umgebung herausgekommen ist, weil dort jede Menge Vollpfosten mit gelben Kennzeichen (eigentlich liebe ich gelb) meinten, sie müssten auf normalen Landstraßen ihre Knieschleifer abwetzen, und schließlich sogar noch die dickste Kartoffel vom entsprechenden Bauern mit nach Hause nehmen konnte, dann war man (na, wo wohl? genau: ) in der Eifel.

 

MÄNNERWELT

Wenn man Glück hatte und nicht dem Schinderhannes in die Hände gefallen ist (Schinderhanneshöhle bei Langenthal), keinen Querschläger vom Jäger aus Kurpfalz abbekommen hat (Weingut Hees in Auen), dem Deutschen Michel begegnet ist (historisch begründet auf General Michael von Obentraut aus Stromberg, später verfremdet), wunderschöne Höhen, dichte Wälder und idyllische Täler genossen hat, abends daraufhin mit exzellentem Wein angestoßen hat und schließlich als höchste intellektuelle Herausforderung noch ein Parkrelikt aus früheren Zeiten bedienen konnte, da hier und da die Zeit ein wenig stehen geblieben schien, dann war man im Naturpark Soonwald-Nahe.

< zum Start