Etappe 4: Finnland

  • 26 Tage
  • ca. 2.500 km
  • schönes Wetter bis 25 Grad, nur ein halber Regentag
  • 9 Unterkünfte
  • Strecke: Rovaniemi, Posio (Lappland), Oulu, Vaasa, Rauma, Turku, Helsinki, Lappeenranta (Karelien)

Nach einem sensationellen Abstecher zu den Lofoten ging es für uns über Nordschweden in Richtung Finnland. Ich, die Exsozia Ulla, und mein Partner Thomas haben die einmalige Landschaft Norwegens auch Motorrad fahrerisch so richtig genossen.

Auf dem Weg nach Osten besuchten wir die Bergbaustadt Kiruna in Schweden. Sie beherbergt das weltgrößte Eisenerzbergwerk. Um bis 2040 das Erzvorkommen weiter abtragen zu können, wird die Stadt derzeit bis 2033 um fünf Kilometer umgesiedelt. Mein Tipp: Bucht eine Besichtigungsfahrt mit dem Bus durch das gigantische Stollensystem.

Eisenerzbergwerk in Kiruna (Schweden)
Finnische Grenze bei Aarevaara

Und dann fanden wir sie endlich, die finnische Grenze, nachdem wir wieder einmal hier in der Wildnis von Nordschweden 15 Kilometer Schotterpiste gefahren waren. Aber, was soll ich Euch sagen: Bisher war der Begriff Wildnis geschenkt! Hier in Finnisch-Lappland ist die Wildnis wirklich wild. Da gibt’s auch schon mal Schotterpisten von 50 Kilometern. Es verging keine Fahrt, bei der wir nicht auf etliche Wildtiere stießen. Mit Rentieren muss man immer rechnen. Sollte man bei einem Unfall mit einem Ren übrigens das Tier verletzen, ist man gesetzlich verpflichtet es zu töten. Dazu führt jeder Finne ein Messer mit. Wir kamen Gott sei Dank nicht in diese missliche Lage.

Finnnische Piste in Lappland

Über die Rentierzucht und viele andere Natur-, Kultur- und Geschichtsthemen gibt das Arktikum von Rovaniemi exzellent und anschaulich Auskunft. (Eintritt 13 Euro)

Bekannt ist Rovaniemi zudem durch seine Lage am Polarkreis, dem Arctic Circle. Natürlich haben wir den Polarkreis persönlich übersprungen! Und weil dieser Breitengrad mit Winter, Kälte und Weihnachten assoziiert wird, wohnt hier der Weihnachtsmann und betreibt ganzjährig das Weihnachtspostamt, zahlreiche Souvenirshops und einen unterirdischen Santa Park. Für Kinder und Fans sicher obercool, für meinen Geschmack etwas zu kitschig und viel zu kommerziell. (Eintritt Santa Park für 1 Erwachsenen im Sommer 17,50 €, im Winter 34 €)

Am Polarkreis bei Rovaniemi

Bedeutend ruhiger ging es zu in der unendlichen Wildnis der Taiga und an den immens vielen Seen und den großen und kleinen Flüssen. Finnland ist das waldreichste Land Europas mit 65 Prozent Waldfläche. Außerdem hat das Land rund 10 Prozent Wasserfläche, davon 188.000 Seen. (Visit Finland) Die Seen luden uns zum Schwimmen und Ruderboot fahren ein. Schön waren auch immer die Ausflugsfahrten an den Ufern entlang. (Tipp: In Posio in Lappland gibt es eine Porzellanmanufaktur mit interessantem Museum; Eintritt frei)

Lappland oberhalb von Posio

In Oulu trafen wir wieder auf die Ostsee. Erstaunt hat mich die moderne Architektur und das weitläufige, gepflegte Erscheinungsbild der Universitätsstadt. – Ebenso modern, aber mit einer Anzahl klassizistischer Bauten, präsentiert sich die Hafenstadt Vaasa an der engsten Stelle des Bottnischen Meerbusens. Hier ist die Nähe zu Schweden spürbar.

Besonders eindrucksvoll war ein Ausflug zum Kvarken-Archipel, der einzigen finnischen Landschaft, die von der UNESCO in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen wurde. Diese finnischen Schären haben wir über die imposante Raippaluto-Brücke besucht. Wir lenkten unsere Bikes über die Insel Björkön bis zum kleinen idyllischen Fischerhafen Svedjehamn. Von dort aus bewunderten wir im Abendlicht die finnische Schärenwelt. Finnland  besitzt 6.757 Inseln über 0,25 ha; im Vergleich: Deutschland hat 92 Inseln; Schweden allerdings noch mehr: über 200.000.

Auf der Insel Björkön
Holzhäuser in Rauma

Bevor wir weitere Inseln erkundeten, staunten wir auf dem Transfer in den Süden Finnlands in der Kleinstadt Rauma über 600 gut erhaltene Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert (UNESCO-Weltkulturerbe) und über ein irres Kunstprojekt in Uusikaupunki im Südwesten des Landes. Uns begrüßten hier 140 lebensgroße Puppen.

Kunstprojekt in Uusikaupunki

Nächster Stopp auf unserer Ostsee-Tour: die große Hafenstadt Turku mit der vorgelagerten Inselwelt des Turku Archipelago. Diese Inselgruppe an der Südwestspitze Finnland besteht aus etwa 25.000 Inseln, Inselchen und Felsbrocken im Meer. Für Kapitäne eine echte Herausforderung! Mein Tipp: Macht eine Tagesrundtour über die Inseln; sie ist etwa 250 Kilometer lang und Ihr könnt dabei fünf kostenfreie Fähren nutzen. Von Korpo aus besteht zudem die Möglichkeit, auf die Åland-Inseln überzusetzen (kostenpflichtig) und von dort aus nach Stockholm, Schweden zu schippern.

Jachthafen bei Korpo

Das Wasser der Ostsee spielte auch bei unserer nächsten Station eine entscheidende Rolle: Helsinki, Finnlands faszinierende Hauptstadt, eine gelungene Mischung aus moderner Architektur und klassizistischen Bauwerken, vereint durch breite Straßen und viele Grünflächen. Und wieder: Wasser ohne Ende! Die Finnen haben’s drauf: Die haben sogar Wasser im Wasser, ein beheiztes Schwimmbad mitten im Hafenbecken!

Helsinki

Den größten Hafen Finnlands laufen an: gigantische Fähren, Frachtschiffe, Kreuzfahrer, Fischerboote und jede Menge Jachten und Sportboote. Einen Eindruck davon bekamen wir bei einer Rundfahrt durch den Hafen und die vorgelagerte Inselwelt mit einem Ausflugsboot.

Zu Fuß und per Leihfahrrad (pro Tag nur 5 Euro) erkundeten wir kreuz und quer die Stadt und deren Hauptsehenswürdigkeiten wie den Dom, den Marktplatz, die Felsenkirche und die Nobel-Einkaufsstraße Esplanade. Möglich ist es aber auch, mit dem Motorrad durch die Innenstadt von Helsinki zu fahren. Es gibt ausgewiesene Motorrad-Parkplätze. Sehenswert: die historische Markthalle am Hafen.

Als letzte Station in Finnland steuerten wir Karelien an, Teil der finnischen Seenplatte, die ein Drittel des Landes ausmacht. Vom Süden bei Lappeenranta verschafften wir uns einen Eindruck. Anders als erwartet ist die Gegend recht hügelig und bewaldet. Daher blieb der Blick auf die zahlreichen Seen oft versperrt. Dafür gab es aber nette kurvenreiche, kaum befahrene Nebenstraßen zum entspannten Kurvenschwingen.

Am Saimaa-See in Karelien

Am Saimaa-See, mit 4.370 Quadratkilometern der größte See Finnlands und der viertgrößte Europas, legten wir noch einmal eine Verschnaufpause ein, bevor es dann in ein neues Land gehen sollte.

Demnächst berichte ich Euch über Russland. „Tapaavat jälleen Finnland“ – „Auf Wiedersehen Finnland!“

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